Die ewig-jugendliche Lebensphase

Viele Menschen zögern das Erwachsenwerden hinaus. Die Zeit zwischen Jugend- und Erwachsenenalter wird immer länger. Das hat Auswirkungen auf unser gesamtes Arbeits- und Bildungssystem.

Jugendkultur und Erwachsenwerden

Unsere Gesellschaft wird stark von einer Jugendkultur geprägt. Erwachsene ziehen ihre Jugendzeit manchmal bis weit über das 30. Lebensjahr hinaus. Davon abgesehen wird dem optischen Altern nicht selten durch trendige Designerklamotten, immer effektiveren Kosmetikprodukten oder sogar plastischer Chirurgie entgegen gewirkt – von Frauen wie auch von Männern.

Die Tendenz zu einer verlängerten Jugend hat gute Gründe. Das Unterbrechen der beruflich orientierten Ausbildung zu Selbstfindungszwecken kann von dem dringenden Bedürfnis nach einem Überdenken der eigenen Entwicklung geleitet werden. Junge Erwachsene möchten in einem solchen Moratorium experimentieren und ihre Optionen für die Zukunft ausloten, ohne zu schnell in eine spezielle Richtung gedrängt zu werden.
Die Zeit zwischen dem Jugend- und Erwachsenenalter kann sich aber im Gegensatz zu einem Moratorium stärker hinziehen – im Einzelfall sogar deutlich länger als ein Jahrzehnt.

Die verlängerte postadoleszente Lebensphase

Nach den gängigen Vorstellungen ist man in dieser verlängerten Lebensphase zwischen der Jugend- und Erwachsenenzeit normalerweise in einem oder wohl eher mehreren Studiengängen eingeschrieben. Neben den bereits erwähnten kulturellen Gründen wird diese Entwicklung auch von einem für Berufsanfänger oftmals problematischen Arbeitsmarkt gefördert.

Viele Absolventen lernen erst Praktikas, Zeitarbeit oder Arbeitslosigkeit kennen, bevor es vielleicht mit der Karriere losgeht. Da ist die Versuchung sehr groß, den endgültigen Eintritt des ernüchternden Erwachsenenalters um einige Jahre hinauszuzögern. Schließlich können Beschäftigungsverhältnisse mit weniger Verantwortung oder Bindung in einer solchen Phase auch viele Vorteile bieten, allen voran eine gewisse Freiheit.

Die Zeit vor dem “endgültigen” Erwachsenwerden kann attraktiv sein. Nicht umsonst hängen so viele Jungbürger an dieser Lebensphase. Die Eltern haben nichts mehr zu melden, finanzielle Unterstützung gibt es aber trotzdem. Taschengelzahlungen, Geld- und Sachgeschenke oder der Überlassung von Wohnraum. Nicht selten ist es eine Mischung aus all dem.

Die Lebensphase vor dem endgültigen Erwachsenenalter wird häufig mit beruflichen Tätigkeiten verbunden. Schließlich sind nicht überall Geld und Muße für ein Studium da. In solchen Fällen wird eben gejobbt. Die Arbeit besitzt eigentlich nur die Funktion, Geld zum Ausgehen, für das Auto, die nächsten Shoppingtouren oder den Urlaub zu besorgen. Jobphasen werden von Zeiten freiwilligen Müßiggangs abgelöst.

Chance Erwachsenenbildung

Junge Leute, die lange im Bildungssystem verweilen, benötigen dringend einen Abschluss. Wenn dieser trotz jahrelangen Studierens nicht gemacht wird, muss es Möglichkeiten geben, diese Reife mithilfe der Erwachsenenbildung nachzuholen.

Ähnlich sieht es mit Dauerjugendlichen aus, die viele Jahre gering qualifizierte Ferien- und Nebenjobs ohne Entwicklungspotenzial ausüben. Das geschieht mitunter durchaus freiwillig. Eine geringe berufliche Bindung und wenig Verantwortung kann sich schließlich positiv auf die Lebensqualität auswirken. Vor allem wenn Eltern und Großeltern den schlecht bezahlten Job mit weiterer Unterstützung subventionieren. Die postadoleszente Lebensphase ist auch deshalb so attraktiv, weil sie oft individuelle Freiheit mit materieller Absicherung verbindet.

Umschulung, Erwachsenenbildung, Abend- und Fernstudium. Das kann all den Leuten die benötigte Qualifikation geben, die es in ihren jüngeren Jahren versäumt haben, ausreichend berufliches Wissen zu erwerben.
Die dadurch entstehenden Qualifikationen müssen dem standardisierten Werdegang nicht unbedingt nachstehen. Schließlich wird die postadoleszente Lebensphase mit umfangreicher Allgemeinbildung, Selbstfindung und einer sehr intensiven Persönlichkeitsentwicklung verbunden. In Kombination mit Wissen und ausreichend Berufserfahrung können diese Eigenschaften in einem Unternehmen oder in einer Verwaltung von großem Nutzen sein.

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